Eine kurze Erzählung, wie die Jungfrau (=wir) zum Kinde (=Obsternte-Karte) kam: Seit Herbst 2008 veranstalten wir als erleb-bar Mitmach-Programme für Kinder und Erwachsene. Auf der Suche nach spannenden Programmen gingen wir im Sommer 2011 auf Obsterntetour und fragten uns im Nachhinein natürlich, was wir mit unserem neuen Wissen anfangen sollten. Wir entschieden uns für unsere Obsternte-Karte, also dafür, nach Orten zu suchen, an denen Interessierte mit Zustimmung des jeweiligen Besitzers Obst ernten dürfen, und diese zu veröffentlichen.

Dann kam Christian von Leipzig Leih! und beschwerte sich: „Jungs, eure Idee mit der Obstlandkarte ist nett, aber wenn ihr als erleb-bar Mitmach-Programme umsetzen wollt, dann ist das nur die halbe Miete.“ Der Vorsatz muss also sein, die genutzten Orte auch zu pflegen sowie selbst solche Orte zu schaffen. Sprich: Selbst Obstbäume und -sträucher zu pflanzen. So wird auch der vollständige Prozess vom Pflanzen bis zum Essen erlebbar.

Deshalb betreiben wir einen eigenen kleinen Obstgarten. Dort vermehren wir in erster Linie Pflanzen. Wir gehen regelmäßig auf Erntetouren und experimentieren in der Küche mit der Herstellung von Konfitüren, Pralinen, Likören oder Eis. Nicht zuletzt verschenken wir pflegeleichte Obststräucher wie Johannis- und Stachelbeeren unter der Maßgabe, dass der Beschenkte sie in unsere Obsternte-Karte eintragen lässt und die Früchte teilt.

Bei Interesse meldest du dich einfach bei uns unter team@erleb-bar.de.

Wir glauben daran, öffentlichen Orten etwas Gutes zu tun, wenn wir sie nutzen oder ihre Nutzung unterstützen. Und das Leipziger Amt für Stadtgrün und Gewässer sieht es offenkundig ähnlich. Jedenfalls erhalten wir von dort grundsätzliche Unterstützung für unsere Obsternte-Karte sowie die Erlaubnis, auf Flächen im Verantwortungsbereich des Amts für Stadtgrün und Gewässer Obst zu ernten. Grob gesagt nach dem Motto: Macht nichts kaputt und tut euch nicht weh.

Wir haben es selbst ganz konkret erlebt, wie sich wilde Sträucher und Büsche am Wegesrand in Nahrung verwandelt haben. Wenn wir vorher blind an Maulbeeren und Schlehen vorbeigelatscht sind, sehen wir sie jetzt. Unsere Wahrnehmung hat sich verändert und mit ihr die Wertschätzung unseres Wohnumfelds.

matsch am koernerplatzNatürlich hatten wir auch schon früher Omas selbst gemachte Marmelade im Schrank stehen, mal Erdbeeren vom Feld an der Landstraße geerntet und selbst eingekocht. Aber der erste Mirabellenkuchen á la Körnerplatz war nicht nur extrem sauer, sondern ein viel intensiveres Erlebnis. 1000mal besser (und saurer) als abgepackter Supermarkt-Kuchen.

Der bewusstere Umgang mit Lebensmitteln und Orten erhöht schlicht unsere Lebensqualität. Hinzu kommt die einfache Überlegung, Obst nicht ungenutzt vergammeln zu lassen. In Zeiten, in denen tonnenweise Lebensmittel vernichtet werden, wollen wir wenigstens ein bisschen weniger verschwenden. Wir werden kaum die Welt retten, aber vielleicht müssen unsere Studentenfreunde seltener Containern gehen.

Apfelernte am AbendObst zu ernten, macht keinen großen Spaß, wenn man sich die ganze Zeit fragen muss: Darf ich das jetzt eigentlich? Deshalb findest du in unserer Obsternte-Karte nur Fundorte, bei denen uns die Zustimmung zur Ernte der jeweiligen Eigentümer oder Besitzer vorliegt. Fragen nach Eigentum oder Diebstahl kannst du also getrost ausklammern. Wen’s interessiert, wird weiter unten trotzdem fündig.

Wichtig für dich sind dann in erster Linie Fragen der Haftung, wenn etwas kaputt geht, sich jemand verletzt oder ähnliches. Grundsätzlich ist das einfach und alles andere als überraschend: Für dein Tun und Lassen bist du selbst verantwortlich, niemand sonst. Das gilt natürlich auch für unsere rechtlichen Hinweise, die du selbstverständlich nicht als verbindliche Rechtsberatung verstehen darfst. Genausowenig können wir Gewähr für die Richtigkeit jeder einzelnen Information hier übernehmen.

Wenn etwas kaputt geht

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Deshalb müssen wir uns Wohl oder Übel fragen: Was passiert denn, wenn ich etwas unabsichtlich kaputt mache oder sich jemand verletzt? Insofern man nach normalem menschlichem Ermessen erwarten kann, dass jemand die Gefahr, der er sich aussetzt, kennt, ist er selbst für die Folgen seiner Handlung verantwortlich. Das würde für einen Erntenden im Umkehrschluss bedeuten, nachzuweisen, dass er mit dem Grund eines Schaden nun wirklich nicht rechnen konnte. Da solch ein Nachweis im Zweifelsfall eher schwierig zu erbringen sein dürfte, gehe davon aus, dass du verantwortlich bist.

Ausschließen können wir im Falle der Obsternte Sachbeschädigungen im strafrechtlichen Sinne. Denn das setzt immer den Vorsatz voraus, andere zu schädigen. Davon können wir bei der Obsternte oder der Erlaubnis zur Obsternte nicht ausgehen. Wir bewegen uns also grundsätzlich im zivilrechtlichen Bereich. Das klingt doch beruhigend.

Ebenso leuchtet ein: Wer etwas beschädigt, hat für den entstandenen Schaden gerade zu stehen und ist laut § 823 BGB zu Schadenseratz verpflichtet. Komplizierter wird es allerdings, den entstandenen Schaden einzuschätzen. Es ist nun einmal ein Unterschied, ob man einen Zweig oder einen tragenden Ast abbricht. Wir möchten dir vor allem aus zwei Gründen empfehlen, im Falle eines Falle schnellstmöglich Kontakt zum Eigentümer oder Besitzer aufzunehmen. Im Zweifel helfen wir dir bei der Kontaktaufnahme.

Einerseits haben sich diejenigen, die ihren Mitmenschen freundlicherweise die Obsternte an ihrem Besitz erlauben, ganz einfach Ehrlichkeit verdient und die Wahrscheinlichkeit einer gütlichen Lösung halten wir für sehr hoch. Andererseits ist es auch für den Haftenden von Vorteil, sich schnell ein gemeinsames Bild vom entstandenen Schaden zu machen. Je mehr Zeit vergeht, desto größer die Gefahr von Uneinigkeiten.

Leib und Leben

Du bist also für deine körperliche Unversehrtheit selbst verantwortlich. Durch eine Ernteerlaubnis übernimmt ein Eigentümer oder Besitzer keine Verantwortung für dich. Grundsätzlich ist er zwar verpflichtet, beispielsweise die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Das hat aber nichts mit deiner Obsternte zu tun. Auch darfst du davon ausgehen, dass sich unsere Eigentümer und Besitzer für ihre Pflanzen interessieren und darum kümmern. Schließlich wurden sie von uns genau damit behelligt. Erwarte also keine hinterhältigen Fallen an den Fundorten, die du für deine Fehler verantwortlich machen kannst.

Die Gefahrenabschätzung liegt vielmehr in deiner Hand. Wenn du an einem Ast zerrst, musst du damit rechnen, dass er bricht und stürzt. Leitern können umfallen, Lebensmittel können verdorben sein, geplatztes Fallobst kann rutschig sein und Holunderbeeren sind ungekocht giftig.

Ebenso bist du verantwortlich, wenn du anderen körperlichen Schaden zufügst. Hier braucht es auch keinen Vorsatz, denn auch fahrlässige Körperverletzung wird strafrechtlich behandelt. Sei dir also der besonderen Gefahren bei der Obsternte bewusst.

Achtung bei Hilfsmitteln

Liegt eine Erlaubnis des Besitzers vor und dieser spricht sich nicht ausdrücklich gegen Erntehilfen wie Leitern oder Obstpflücker aus, so ist deren Einsatz erlaubt. Jedoch ist wiederum darauf zu achten, dass derjenige, der solche Hilfsmittel einsetzt, für Schäden, die daraus entstehen, verantwortlich ist – egal, ob er sich selbst schädigt oder andere. Das gilt in erster Linie für die Pflanzen, an denen du zu Gange bist. Auch auf die Verkehrssicherheit ist zu achten. Platziere deine Leiter also nicht auf einer Schnellstraße.

Unsere Verantwortung

Wir können keine Leipziger Obsternte-Karte anbieten und dann womöglich so tun, als ginge uns das alles nichts an. Rechtlich und in Sachen Haftung müssen wir aber jegliche Verantwortung ablehnen. Ansonsten könnten wir unsere Idee gar nicht verfolgen.

Uns ist an einem wohlgesonnenen Miteinander von Besitzern und Eigentümern gelegen. Deshalb stehen wir gern zur Verfügung, wenn es um die Kontaktaufnahme und im Ernstfall um die Vermittlung oder Schlichtung von Konflikten geht. Schließlich wollen wir nicht, dass sich jemand verbittert von unserer Idee abwendet.

Jede Pflanze hat einen Besitzer

Der Vollständigkeit wegen und für dich als Hintergrundwissen klären wir in groben Zügen, wie es sich mit den Eigentums- und Besitzrechten verhält.

Hierzulande hat jede Pflanze einen Eigentümer. Denn sie ist an irgendeiner Stelle fest im Boden verwurzelt, und in Deutschland gibt es kein Gelände, das nicht privates oder öffentliches Eigentum wäre. Das gilt auch für die dort wachsenden Pflanzen.

Ohne Genehmigung des Eigentümers handelt es sich bei der Inbesitznahme von Erntegut gemäß § 242 (1) StGB prinzipiell um Diebstahl und somit um eine Straftat. Selbst der „Versuch ist strafbar“, wie es § 242 (2) StGB so schön heißt. Verfolgt wird laut § 248a der „Diebstahl […] geringwertiger Sachen […] nur auf Antrag“ oder im Falle „besonderen öffentlichen Interesses“.

Um ein für allemal unmissverständlich gesagt zu haben: Wir rufen ausdrücklich nicht zum Diebstahl auf. Und wir wollen keinen Krieg Garteninhaber gegen Obstguerilleros, sondern ein Miteinander von Eigentümern oder Besitzern und potentiellen anderen Nutzern.

Nur eine Internetquelle

Wir markieren deshalb auf unseren Karten nur die Standorte, bei denen uns das Einverständis des jeweiligen Besitzers vorliegt, dass ihr Obst auch von Nichteigentümern genutzt werden darf. Da dann eine Inbesitznahme des Ernteguts im gerechtfertigten Glauben geschieht, dass sie gestattet ist, liegt aufgrund fehlenden Vorsatzes zum Diebstahl keine entsprechende Straftat vor.

Aber Achtung: Inwiefern der Verweis auf eine Internetquelle vor Gericht Bestand hat, ist fraglich. Solltest du Zweifel an einem einzelnen Einverständnis oder Fundort haben, lass es uns bitte wissen!

Überhang

Übrigens ist auch der weit verbreitete Irrglaube, überhängende Früchte dürften beliebig geerntet werden, nicht zutreffend. Selbst wenn fruchttragende Zweige über die Grundstücksgrenze hinausragen, handelt es weiterhin um Eigentum desjenigen, dem die Pflanze gehört. Auch hier stellt also eine Ernte ohne Erlaubnis des Besitzers im Grunde Diebstahl dar. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn die Früchte außerhalb des Grundstückes auf öffentlichem Grund landen. Werden die Früchte vom Besitzer des Baums nicht eingesammelt, darf man annehmen, dass dieser „in der Absicht, auf das Eigentum zu verzichten, den Besitz der Sache aufgibt“. Damit wird laut § 959 BGB die Sache herrenlos, es steht somit anderen frei, sie sich anzueignen.

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Wir wollen, dass möglichst viele Beteiligte von unserem Projekt profitieren. Das erfordert in allererster Linie von jedem einzelnen einen rücksichtvollen Umgang mit den genutzten Orten. Betrachte die folgenden Einlassungen als Empfehlungen, damit deine Obsternte zum Vergnügen wird und sich niemand belästigt oder geschädigt fühlt. Wir wollen die Akzeptanz der öffentlichen Obsternte stärken, damit du Obst sammeln kannst. Außerdem fühlt es sich gut an, wenn man besorgt, verwundert oder sehr verantwortungsvoll nachfragenden Nachbarn eine schlüssige Antwort liefern kann, was man hier mit einem Korb auf einem fremden Grundstück treibt.

Jeder Ort ist anders

Wir bemühen uns darum, die einzelnen Fundorte individuell aufzubereiten, so dass du weißt, was da auf dich wartet. Wir möchten dich bitten, die Hinweise und Empfehlungen zu den einzelnen Fundorten ernstzunehmen und zu beachten. Wenn du unumstößlich der Meinung bist, durch Besteigen der Starkstromleitung besser an die Birnen heranzukommen, werden wir’s nicht verhindern können. Unsere Hinweise sollen aber dazu beitragen, dass deine Obsternte erfolgreicher wird und Gefahren oder Unannehmlichkeiten verringert oder verhindert werden.

Pflücken mit Rücksicht

Wir ernten in erster Linie für den Eigenbedarf. Wir möchten dich also bitten, Bäume und Sträucher nicht ratzekahl abzuernten, sondern für deine Mitmenschen ausreichend übrig zu lassen. Übrigens: Auch Vögel und andere Tiere freuen sich, wenn sie etwas zu fressen finden.

pflueckenWir vermeiden Schäden an den Orten und Pflanzen. Ist doch klar! Sollte dir trotzdem etwas kaputt gehen, melde dich bitte beim Besitzer oder, wenn er für dich unerreichbar ist, wende dich an uns. Fehler passieren nun einmal, wenn Menschen etwas tun. Zeige dich also verantwortlich, wenn etwas schief geht. Für das gegenteilige Handeln gibt es das schöne deusche Wort Verpissen. Das will doch keiner.

Auch bereits vorhandene Schäden oder Gefahrenquellen darfst du gern melden. Die eigenverantwortliche Beseitigung solcher Schäden oder Gefahrenquellen ehrte dich zwar, wir raten aber aus Haftungsgründen davon ab.

Das frucht-bar-Problembewältigungs-Programm-2020 Fruit-and-Fair-Mediation

…gibt es nicht. Wir haben auch nicht vor, eine Schiedsstelle Obst einzurichten. Dennoch wissen wir, dass Probleme auftauchen werden. Wir möchten Pflücker wie Besitzer bitten, mögliche Probleme frühzeitig anzusprechen, bevor aus Mücken Elefanten werden. Wir gehen davon aus, dass sich solche Probleme im Gespräch aus der Welt schaffen lassen.

Der schnellste Weg: Sollte dir ein Fundort, aus welchen Gründen auch immer, ungeeignet erscheinen, dann beanstande ihn bei uns.

Geben und Nehmen

HagebuttenmarmeladeWer sein Obst für Leipzig zur Verfügung stellt, hat sich etwas Gutes verdient. Es ist ein nettes Dankeschön, dem Besitzer des Johannisbeerstrauchs ein Glas der selbst gemachten Konfitüre aus seinem Obst zukommen zu lassen.

Wir möchten dich um eine weitere Kleinigkeit bitten. Nimm doch einfach einen Müllbeutel mit und sammle den kleinen Müll, der dir auffällt, einfach ein. Du sollst deinem Kind nicht die auslaufende Autobatterie in Arm drücken oder das seltsame gelbe Fass mit dem schwarzen Totenkopf in der Straßenbahn zum Wertstoffhof bringen. Aber vielleicht findest du in der Nähe beispielsweise eine Autowerkstatt. Wenn nicht, freuen wir uns über deine Hinweise.

Tipps und Hinweise weitergeben

Wir hocken nicht wie die Hennen auf unserem Herrschaftswissen. Lasse also andere Pflücker an deinen Erfahrungen teilhaben. Wenn du ein tolles Rezept kennst, dir an einem Fundort etwas Bemerkenswertes auffällt oder dir sonst eine Idee kommt, freuen wir uns über deine Rückmeldung. Das gilt natürlich vor allem für neue Fundorte, die du uns gern vorschlagen sollst.

Die Pflücker-Kolonne

IMG_3615Das einsame und in sich gekehrte Abernten eines Brombeergestrüpps und anschließender liebevoller Wundbehandlung hat eine beruhigende Wirkung. Unterhaltsamer wird’s, wenn du mit Kind und Kegel auf Tour gehst. Spaziergang steht auf der Hitliste der Trendsportarten zwar nicht ganz oben, aber Obsternte ist ein feiner Anlass, um so etwas Einfaches mal wieder zu unternehmen. Ist angeblich auch nicht ungesund.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Größenvorteile, die du auf diesem Wege nutzen kannst. Das gilt sowohl für besonders große wie kleine Menschen. Besonders empfehlenswert ist letztlich ein ökologisch gebildeter Zeitgenosse, der sich gern reden hört. Das erhöht die Chance, Besonderheiten und Zusammenhänge zu entdecken. Und schwupps sind alle ein wenig glücklicher: die einen, weil sie etwas Neues lernen, die anderen, weil sie so schön prahlen konnten.

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Du verfügst über Obststräucher und/oder -bäume, deren Früchte du gern mit anderen teilen willst. Das freut uns.

Schlage uns deinen Fundort bitte vor oder wende dich direkt an uns unter team@erleb-bar.de oder 0178 – 84 83 323.

Wie funktioniert das?

Café Die BrückeWir treffen mit jedem einzelnen Obstbesitzer eine individuelle Abmachung. Die überhängenden Maulbeeren am Connewitzer Stadtgarten können einfach von außen gepflückt werden. Wer im Stadtgarten ernten möchte, kann das zu den Öffnungszeiten tun und meldet sich bitte bei den Mitarbeitern.

Das Beerenobst im Stadtgarten ist übrigens nur zum Naschen da. Hier also nicht mit einer 10-köpfigen Pflückerarmee anrücken und alles ratzeputz leer ernten.

Ähnlich läuft’s im Kinder- und Jugendcafé Die Brücke von der Heilsarmee Leipzig. Hier kann auch zu den Öffnungszeiten geerntet werden mit Meldung im Café.

Wer an Tines privatem Apfelbaum ernten will, schickt ihr vorher eine E-Mail. Marios Apfelbaum erreicht man über uns. Und Eva ist etwas älter und hätte gern etwas Hilfe bei der Gartenarbeit. Und unsere Mini-Obstplantage im Kleingartenverein Gemeinnutz wird zu einem gemeinsamen Termin zusammen abgeerntet.

KGV Am SilberseeSo treffen wir mit jedem Spender eine individuelle Abmachung. Wir haben kein Interesse daran, anarchistische Horden über Leipzigs Kleingartenvereine herziehen zu lassen. Wenn du dein Obst teilen willst, kommen wir persönlich bei dir vorbei und besprechen das Was, wie, wann und wo. Das ist auch eine legitime und sinnvolle Möglichkeit, Erntehelfer zu finden.

Eines noch: Das Obst bleibt natürlich deines. Solltest du feststellen, dass nur wenige Früchte vorhanden sind oder du sie aus welchem Grunde auch immer in einem Jahr mal nicht verschenken willst, kannst du das natürlich tun. Wir wollen dich nicht bis in alle Ewigkeiten zur Abgabe deines Obsts verpflichten.

Natürlich kann es bei aller Sorgfalt zu Problemen kommen. Wir möchten dich bitten, solche Probleme frühzeitig anzusprechen, auch wenn es vielleicht nur Lappalien sind. Wir möchten zu einem erfreulichen Miteinander beitragen. Eine gepflegte Streitkultur darf dazu gehören und wir gehen davon aus, Probleme im Gespräch abarbeiten zu können. Unterschiedliche Interessen sind schließlich etwas völlig Normales.

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Erntekalender Leipzig

So ein Erntekalender dient der Orientierung. Nicht mehr, nicht weniger. Er ist keine Bibel und kein Telefonbuch. Der Blick auf einen Erntekalender verrät dir, wann sich bei welchem Obst die Ernte wahrscheinlich lohnt. Er wird dich nicht davor bewahren, auf Obststräucher und -bäume zu treffen, deren Früchte trotz korrektem Zeitpunkt noch nicht reif sind. Und umgekehrt kannst du auch im Oktober noch reife Brombeeren finden. Wann der richtige Erntezeitpunkt ist, hängt unter anderem vom Standort der Pflanze, der genauen Sorte oder den Witterungsbedingungen ab. Ein Erntekalender verhindert auch nicht, dass jemand anderes vielleicht schneller ist als du.

In diesem Sinne: viel Spaß und Erfolg beim Orientieren, denken musst du trotzdem selbst.

 

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Apfel
Apfelbeere
Aprikose
Berberitze
Birne
Brombeere
Eberesche
Erdbeere
Esskastanie
Felsenbirne
Hagebutte
Haselnuss
Heidelbeere
Himbeere
Holunderbeere
Johannisbeere
Kornelkirsche
Mahonie
Maulbeere
Mirabelle
Mispel
Pfirsich
Pflaume
Quitte
Sanddorn
Sauerkirsche
Schlehe
Stachelbeere
Süßkirsche
Traubenkirsche
Walnuss
Weißdorn
Zierquitte
Zwetschge

 

Bestimmung und Verwendung

VorratskellerObst ist ein Hobby mit einfachem Einstieg und unendlichem Tiefgang. Wir gehen mal davon aus, dass du einen Apfelbaum mit reifen Früchten erkennst, wenn du davor stehst. Aber um welche Sorte es sich handelt, erkennen wir normalerweise nicht. Eine Fuhre Erdbeermarmelade nach Rezept auf der Packung Gelierzucker zu kochen, ist einfach. Rote Grütze mit verschiedenen Früchten und Perlsago ist schon komplizierter. Einen Schlehenlikör mit 400 g Früchten, 200 g Zucker und 400 ml Korn anzusetzen und nach 3 Monaten abzusieben, ist auch keine große Kunst. Aber unterhalte dich mal mit Menschen, die seit 30 Jahren Schlehenlikör machen. Dann wird’s große Kunst.

Saft pressenWir sind nicht als Fachleute für Obstwirtschaft in unser Projekt gestartet. Einerseits geht’s natürlich nicht ohne jegliches Fachwissen, andererseits sollte man nicht so tun, als müsste man erst 15 Jahre theoretisch und praktisch im biodynamischen Obstanbau mit Feng-Shui-Weiterbildung gearbeitet haben, um eine Johannisbeere zu besitzen. Wir haben vieles gelernt und werden weiterhin vieles lernen.

Natürlich könnten wir hier mit ausgegoogelten Wissen so tun, als wüssten wir, wie man eine Zwetschge im Gegensatz zu einer Sauerkirsche beschneidet. Wir könnten auch Kochrezepte mopsen und hier veröffentlichen.

Aber uns ist es wichtig, erst selbst Hand angelegt, erst ausreichend Fehler gemacht und vielleicht den ein oder anderen Erfolg gefeiert zu haben.

Beim VermehrenWir werden also Schritt für Schritt den Umgang mit Obst erlernen und daraus unsere Tipps und Hinweise machen. Zur Ernte selbst, zur Verarbeitung, zur Pflege. Über Unterstützung freuen wir uns allemal. Wenn du Lust hast, begleite uns auf unseren Obsternte-Touren. Verrate uns einfach deine Lieblingsöbste und wir versuchen, sie hier in Leipzig zu finden.

Fühle dich außerdem eingeladen, in unserem kleinen Obstgärtchen an der Pflege und Vermehrung von Obstgehölzen mitzuwirken und mit uns zu lernen.

2 Kommentare zu Who is Who im Obstsalat? – Erntekalender, Bestimmung, Anwendung

  • Sabine Hainke sagt:

    durch Zufall bin ich im Internet auf der „Erleb-bar“-Seite gelandet und darüber hier auf der „Frucht-bar“ Seite.. ich möchte Euch ein RIESEN-KOMPLIMENT aussprechen – das ist einfach nur wunderbar, was ihr da macht.. das Projekt „Erleb-bar“ finde ich schon super, wie ihr das angeht.. aber hier das „Fruchtbar“.. sensationell.. ich würde mir so sehr wünschen, dass es genau dies hier bei uns im Brohltal auch geben würde.. hier hat es Obst ohne Ende und kaum jemand holt und verwertet es.. wir machen jedes Jahr rund 500 Liter Apfelsaft selbst – mit einer Riesen Begeisterung.. und immer wieder denke ich: man könnte noch so vieles machen, nur unser Tag hat halt auch nur 24 Stunden.. so eine Obstübersicht hier im Brohltal wäre echt ne Bereicherung.. toll was Ihr da in Leipzig auf den Weg gebracht habt – ich werde es mit Begeisterung weiter verfolgen!
    Alles Gute für Euch,
    Sabine Hainke

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Da die Frage nach dem Fuchsbandwurm immer wieder gestellt wird, wollen wir uns um eine bescheidene Beantwortung nicht drücken: Vorsicht ist die Mutter der Prozellankiste. Es gibt ein paar übersichtliche Hinweise, wie du dich vor einer Fuchsbandwurminfektion schützen kannst.

Ernte vorzugsweise Früchte, die 80cm oder höher über dem Boden wachsen.

Ernte an wenig exponierten Stellen, Füchse hinterlassen ihren Kot an Stellen, von denen aus sie einen guten Überblick über die Umgebung haben.

Wasche deine Lebensmittel gründlich oder erhitze sie auf über 60°C. Einfrieren funktioniert normalerweise nicht, da die Wurmeier erst ab -80°C absterben.

Wasche deine Hände, bevor du sie zum Mund führst. Wurmeier finden nur oral den Weg in den menschlichen Körper.

Walderdbeeren 2015Soweit die Handlungsempfehlungen. Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist eine äußerst unangenehme Erkrankung. Wir ersparen dir hier die Gruseligkeiten. Die gute Nachricht ist, dass sich nur sehr, sehr wenige Menschen damit anstecken. Das sind in erster Linie Waldarbeiter, Landwirte und Hundebesitzer. In Leipzig gab es in den letzten 10 Jahren keine Infektionsmeldungen an das Robert-Koch-Institut.

Der Weg über infiziertes Obst ist zwar logisch und nachvollziehbar, aber empirisch konnte bisher in Deutschland noch kein einziger Erkrankter nachgewiesen werden, der sich durch den Verzehr von Obst angesteckt hat. Wobei der empirische Nachweis bei Inkubationszeiten von über 10 Jahren natürlich äußerst schwierig ist. Hinzu kommt, dass die Heilungschancen heute bei frühzeitiger Erkennung hoch sind.

Welche Vorsichtsmaßnahmen du ergreifen willst, musst du natürlich selbst wissen. Dass du nach obigen Handlungsempfehlungen gar keine Erdbeeren oder Salat essen solltest, kannst du dir zusammenreimen. Ob es das wert ist, ist deine Entscheidung. Bitte nimm zur Kenntnis, dass wir dir hiermit keine medizinische Beratung anbieten, sondern nur du selbst für deine Handlungen verantwortlich bist.

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir zur zum Beispiel:

Apotheken-Umschau – Fuchsbandwurm: Keine Angst vor Waldbeeren
Die Zeit – Stimmt’s? Wilde Kost – „Droht beim Verzehr wilder Beeren eine Fuchsbandwurm-Infektion?“, fragt Dirk Hering aus Walsrode
Kreis Euskirchen, Veterinärwesen – Der kleine Fuchsbandwurm
Landesbund für Vogelschutz, München – Wer hat Angst vorm Fuchsbandwurm
Tagesspiegel – Parasiten – Beerensammeln ohne Furcht

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Wir möchten dich eindringlich bitten, beim Ernten an Straßen besondere Vorsicht walten zu lassen. Unterschätze die Risiken nicht. Nach unseren Erfahrungen ist die Ernte in Straßennähe auch gar nicht notwendig. Es gibt genügend andere Standorte, an denen man sich um die folgenden Aspekte nicht scheren muss.

Verkehrssicherheit

Im Beamtendeutsch klingt das so: Für die Obsternte an Straßen gelten für Privatpersonen grundsätzlich die gleichen Maßstäbe an die Arbeitssicherheit wie bei der professionellen Straßenunterhaltung. Klingt spießig und aufwändig, aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir über den Sinn von Vorsichtsmaßnahmen eigentlich gar nicht nachdenken. Wir möchten dich bitten, dem Drang zur Ignoranz von Sicherheitsfragen nicht nachzugeben.

Vielleicht tragen wir jetzt etwas dick auf: Aber überlege dir bitte, ob du wirklich bereit wärst, im schlechtesten Falle deine Obsternte gegen Unfallopfer aufzuwiegen. Alternativ kannst du sie gegen den besonderen Aufwand zur Sicherung deiner Erntestelle aufwiegen oder ganz auf die Ernte an Straßen verzichten. Was ist da wohl die bessere Wahl?

Bedenke vor allem, dass du mit der Ernte von Straßenobst nicht nur dich selbst gefährdest, sondern unbeteiligte Verkehrsteilnehmer, die mit deiner Erntelust mal gerade gar nichts zu tun haben. Das fängt bereits bei einem abgestellten Fahrzeug, egal ob Auto oder Fahrrad, an. Vor allem auf Landstraßen sind solche Verkehrshindernisse nicht zu erwarten. Wer Auto fährt, kennt solche Überraschungsmomente, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Selbst eine Leiter oder eine Gruppe Menschen am Straßenrand beeinträchtigen Fahrer in ihrer Aufmerksamkeit.

Wie bei allen Obststandorten auf öffentlichem Grund ist das Besteigen der Bäume und die Nutzung einer Leiter untersagt. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass das noch mehr für die Ernte am Straßenrand gilt.

Die Ernte auf Gehwegen ist im Grunde unproblematisch. Das Betreten der Fahrbahn ist natürlich nicht verboten. Es soll ja Menschen geben, die aus logistischen Gründen Straßen überqueren. Zur Obsternte raten wir eindringlich davon ab, die Fahrbahn zu betreten. Und weil das so ist, wollen wir auch gar keine Hinweise zur Ernte auf Straßen geben. Lass’ es einfach.

Auf eine weitere Selbstverständlichkeit sei hingewiesen. Straßenränder werden üblicherweise in der ein oder anderen Form gepflegt. Häufig sieht der Unterbewuchs an Säumen und unter Bäumen reichlich unspektakulär aus. Sei dir aber darüber im Klaren, dass sich Mitmenschen darüber Gedanken machen und dort Arbeit investieren. Mal mehr, mal weniger. Wer das Teilen von Obst befürwortet, nimmt darauf Rücksicht und vermeidet Beschädigungen im öffentlichen Raum. Den teilen wir nämlich genauso.

Schadstoffbelastung

Maulbeere im Ramdohrschen ParkWenn du innerstädtisch Obst erntest, darfst du noch einen weiteren Aspekt durchaus auf dem Schirm haben. Zwar ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Schadstoffbelastungen von innerstädtischem Obst und Gemüse nicht weit gediehen, aber Schadstoffbelastungen sind nachweisbar. In erster Linie geht’s dabei um Schwermetalle. Die gute Nachricht: Die Gemüsefresser trifft’s härter :o) Gemüse ist grundsätzlich stärker von Schwermetallbelastungen betroffen als Obst. Ein paar überschaubare Orientierungshilfen bieten sich an, um die Risiken weiter zu minimieren.

Die wichtigste Quelle für Schadstoffbelastungen ist der Autoverkehr. Je weiter dein Obststandort von (stark) befahrenen Straßen entfernt, desto geringer ist die Schadstoffbelastung. Eigentlich banal.

Barrieren wie Hecken, Haine oder Gebäude wirken abschirmend.

Je höher das Obst hängt, desto geringer die Belastung. Schließlich fallen die schweren Teilchen nach unten.

Je glatter die Oberfläche des Obstes, desto weniger Schwermetalle sammeln sich in diesen Ritzen. Gründliches Waschen schadet nie.

Als Orientierungshilfe kann dir dienen: Nüsse besser als Kern- und Steinobst, Kern- und Steinobst besser als Beeren.

Während wir den Grad der Lustverschmutzung durch Augenschein halbwegs abschätzen können, haben wir kaum einen kontrollierenden Zugriff auf die Bodenqualität. Wir haben in den seltensten Fällen eine Ahnung, was an einem Fundort früher los war. Die Brombeerhecken, die um ein gelbes Fass mit schwarzem Symbol (so ein Kreis mit 3 Dreiecken drumherum) wachsen, haben wir selbstverständlich nicht in unsere Karte aufgenommen. Überall Bodenproben zu nehmen oder jedes geerntetes Obst auf Belastungen zu untersuchen, kommt wohl weder für dich, noch für uns in Frage.

Wir haben durchaus auch Standorte in relativer Nähe zu Straßen oder mit sichtbarem Müll im Umfeld aufgenommen. So obliegt es auch bei der Frage nach Schadstoffbelastungen dir und deinem gesunden Menschenverstand, im Einzelfall zu entschieden, was du essen willst und was nicht. Für die Weiterbeschäftigung mit dem Thema empfehlen wir dir die Frage: Wie gesund ist die „Essbare Stadt“?

2 Kommentare zu Obsternte an Straßen: Verkehrssicherheit und Schadstoffbelastung

  • Martin sagt:

    Hallo! Bin eben beim Prokrastinieren auf Eure Seite gestoßen und hab ein bisschen herumgeklickt. Danke für den Lacher im vorletzten Absatz des Handbuches: „Grad der LuStverschmutzung“!

    Vielleicht wollt Ihr das ja ändern. Ich würd’s so lassen. :D

    Beste Grüße!

    • Sebastian sagt:

      Hallo Martin,

      danke für den Hinweis und deinen Vorschlag zum Umgang mit dem Tippfehler. Ich würde auch sagen: Das lassen wir mal so stehen.

      Sebastian

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